Nachbericht: Zwei spannende Perspektiven zum Thema Care-Arbeit

von Cornelia Roth | Juli 20, 2026

Im Juni-Leseclub im gemütlichen „Buch und Bohne“ sprachen wir über Mareike Fallwickls Roman „Und alle so still“. Die Geschichte hat es in sich: Eine Frau stellt fest, „Ich kann nicht mehr“ und legt sich öffentlich auf den Boden. Unzählige Frauen folgen nach, alle legen sich auf den Boden, bis die ganze Stadt, das ganze Land zusammenbricht – denn ohne die unsichtbare und geringgeschätzte Care-Arbeit von Frauen geht gar nichts mehr. Auch ein Mann macht stellvertretend für Männer in prekären Berufen ganz unten mit. Das Besondere: es beginnt als ein „passiver“ Streik der erschöpften Körper und Seelen, die nicht mehr können. Und zugleich entsteht eine große fürsorgliche Solidarität untereinander wie von selbst. Wie es ausgeht, wo es endet, welche Perspektiven daraus entstehen, bleibt letztlich offen. Ein Sprung ins Wagnis.

Eine Woche später fand im Aubinger Kulturzentrum „ubo9“ in der Reihe „Gleich & Gerecht“ eine Veranstaltung zu neuen Lebensweisen bezüglich der Care-Arbeit statt. Eine Gründerin der Initiative “FaemHive” berichtete über ein neugeschaffenes Netzwerk, das es Frauen und Familien ermöglicht, das Dasein für ihre Kinder mit ihrem Beruf unter einen Hut zu bringen. Das klingt nicht neu, aber das Besondere war: es werden die Bedingungen der Berufstätigkeit so verändert, dass es zu dem Leben mit Kindern passt und nicht umgekehrt! Dafür wurden und werden Räume gefunden, in denen man mit den Kindern gut betreut nebenan arbeiten kann, zusammen essen kann und wo es Austausch untereinander gibt. Und viele weitere Möglichkeiten, die gerade ausgebaut werden. Auch eine Vernetzung mit ähnlichen Angeboten in der Stadt soll stattfinden. Eine praktische Utopie.