Fachtag “Ab nach München”

Am 17. Januar 2015 trafen sich im Stadtmuseum rund 30 Künstlerinnen, Galeristinnen, Kreative und Mitarbeiterinnen der Stadt München, um über die Perspektiven von Künstlerinnen zu sprechen, die nach München kommen. Vom 12. September 2014 bis zum 15. Februar 2015 zeigte das Stadtmuseum München die Ausstellung “Ab nach München. Künstlerinnen um 1900” – daran knüpfte der Fachtag an. Zum Treffen hatte Ulrike Budde gemeinsam mit der Stadt München eingeladen, es moderierte Dörthe Bäumer, Susanne Klingner von den Frauenstudien dokumentierte den Austausch.

Auf dieser Seite finden Sie:

eine Übersicht aller Teilnehmerinnen
eine Zusammenfassung des Treffens
Bilder vom Fachtag

 

Übersicht der Teilnehmerinnen (alphabetisch):

Alexandra Andreasova lebt seit 2009 als Künstlerin in München, wo sie bis 2013 Kommunikationsdesign an der Hochschule München studierte.

Brigitta Angermaier lebt als Künstlerin in München.

Dörthe Bäumer ist seit 1991 selbständige Künstlerin mit eigenem Atelier in München, seit 1995 in der Wiede Fabrik. Sie ist seit 2011 Mitherausgeberin der Zeitschrift ARTMuc.

Silvia Bauer arbeitet als Kulturmanagerin, u.a. für das Internationale Dokumentarfilmfestival München, das Iranian Film Festival Munich und das Human Rights Film Festival.

Elvira Bernhardt ist Kommunikationsdesignerin und lebt als Künstlerin in München.

Anja Buchheister lebt als Künstlerin in München. Sie wird vertreten durch die Galerie Esther Donatz.

Lela Budde ist seit 4 Jahren Künstlerin München, vorher lebte sie 20 Jahre lang als Künstlerin in London, wo sie am Goldsmiths studierte. Sie arbeitet sowohl als Kunsttherapeutin als auch als Kuratorin.

Ulrike Budde ist Literatur- und Kunstvermittlerin. Sie gibt die Literaturzeitschrift “Der Tisch” heraus.

Prof. Burcu Dogramaci arbeitet am Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Esther Donatz ist Galeristin in München. Die Galerie Esther Donatz öffnete 2012 und veranstaltet neben dem Ausstellungsprogramm Lesungen und Künstlergespräche.

Diana Ebster koordiniert für die Landeshauptstadt München das Programm des MaximiliansForum. Den unterirdischen Ausstellungsort in der Maximiliansstraße gibt es seit 2000.

Christina Eder ist im Kulturreferat der Landeshauptstadt München u.a. für Genderkultur zuständig.

Jürgen Enninger ist seit 2014 Leiter des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München.

Tomma Galonska ist Dramaturgin und Regisseurin in München.

Barbara Gross ist Galeristin in München. Ihre Galerie Barbara Gross betreut u.a. Valerie Export und Sabine Hornig. Sie hat internationale Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Nancy Spero, Kiki Smith bekannt gemacht.

Liz Johnson-Artur lebt als Fotografin in London.

Susanne Klingner ist freie Autorin und im Vorstand der Frauenstudien München.

Isi Kunath ist Künstlerin und Fotografin in München, bis vor kurzem lebte sie in Amsterdam.

Stephanie Lyakine-Schönweitz, betreut für die Landeshauptstadt München den Bereich Kunstvermittlung in Städtischen Kunsträumen wie der Artothek.

Mizuho Matsunaga lebt als Künstlerin seit 2009 in München.

Dr. Daniela Stöppel ist freischaffende Kunsthistorikerin und im Vorstand des Vereins Kunstraum.

Dr. Corina Toledo lebt als Kunstvermittlerin in München. Sie organisiert Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Politik.

Neringa Vasiliauskaite ist Künstlerin aus Litauen und lebt seit einigen Jahren in München.

Antonia Voit ist Kuratorin der Ausstellung “Ab nach München!” und hat den gleichnamigen Katalog zur Ausstellung im Müchner Stadtmuseum herausgegeben.

Christiane von Nordenskjöld ist Kuratorin und Vositzende der Gedok München.

 

Der Austausch am Fachtag:

Frau Dr. Fehle, Direktorin des Stadtmuseums, begrüßt alle Anwesenden herzlich und freut sich, dass das Stadtmuseum diese Runde beherbergt.

Zum Kennenlernen stellen sich die Anwesenden kurz vor und sagen, welche Wünsche sie an den Fachtag haben. Sehr oft fällt das Schlagwort “Vernetzung”, von Seiten der Stadt wird mehrmals der Wunsch geäußert, mehr über die Lebenssituationen von Künstlerinnen zu erfahren, über ihre Nöte, Bedürfnisse, über Hemmnisse, sich an offizielle Stellen zu wenden. Einige der Künstlerinnen bezeichnen sich schlicht als neugierig auf das Folgende, manche fragen sich selbst und die anderen, was ein Ortswechsel mit der eigenen Arbeit mache und welchen Einfluss der Zwang zum Geldverdienen auf das Selbstverständnis als Künstlerin habe.

Moderatorin Dörthe Bäumer bittet einige der anwesenden Künstlerinnen zu erzählen, warum sie nach München gekommen seien. So erzählt Neringa Vasiliauskaite, dass sie bereits vor einigen Jahren mit einem Erasmus-Stipendium für sechs Monate in München war. Zurück in Vilnius habe sie München sehr vermisst und entschied sich vor kurzem, nach München zu ziehen. Mizuho Matsunaga erzählt, dass für Japanische Studentinnen und Studenten Europa immer ein Wunschziel sei. Bei ihr habe es etwas gedauert, sie lebte erst in anderen asiatischen Ländern, entschied sich dann aber doch für Deutschland – ursprünglich für Berlin oder Köln. Weil eine Freundin allerdings Sorgen über die Arbeitsmarktlage in diesen Städten äußerte, entschloss sie sich doch, nach München zu gehen. Lela Budde ist Münchnerin, lebte aber die letzten zwanzig Jahre als Künstlerin in London. Vor 4 Jahren entdeckte sie in München den Studiengang der Kunsttherapie, studierte zwei Jahre lang und blieb dann – für sie selbst überraschend – hier. Für sie habe das Studium und ihr neuer Beruf ein ganz neues München eröffnet; plötzlich spiele das Thema „Kunst im sozialen Raum“ eine große Rolle für sie. Als letzte erzählt Anja Buchheister, die aus Mannheim nach München kam. Sie ist gelernte Grafikerin und bestreitet heute ihren Lebensunterhalt auch weiter in diesem Beruf, wegen dem sie nach München zog. Sie sagt, das sei für sie ein guter Kompromiss und München mache es ihr sehr leicht, hier zu bleiben, weil das Leben hier sehr angenehm sei und die Netzwerke so eng, dass schnell ein Engagement zum nächsten führe. Nur die Ateliers seien sowohl zu teuer als auch immer unsicher wegen befristeter Mietverträge.

Die Professorin Burcu Dogramaci griff die Erzählungen der Künstlerinnen auf und sagte, die Beweggründe in eine Stadt zu kommen, prägten ganz wesentlich auch die Arbeiten von Künstlerinnen oder Künstler: Sind sie von irgendwoher geflüchtet, haben sie ein Stipendium zufällig für diese Stadt bekommen oder hatten sie vorher schon großes Interesse an der Stadt selbst? Sie sieht die Fremdheit in einer Stadt immer auch als großes Potenzial, denn die Künstlerin könne einen anderen Blick als Einheimische haben, kann durch neue Netzwerke inspiriert werden oder auch durch die bereits bestehende Kunst in der Stadt. Dabei sei die Sprache ein ganz zentrales Element der Fremdheitserfahrung. Diesen Gedanken griff die Künstlerin Tomma Galonska auf und sagte, ihre Muttersprache binde sie an einen Ort, konkret an Deutschland. Sie habe zwar auch Erfahrungen in den USA gemacht, sehr intensive Erfahrungen, wie sie sagt, aber sie glaube nicht, dass sie diese heute noch einmal machen wollen würde. Für sie sei es heute – nach vielen unsteten Jahren als Schauspielerin – viel wichtiger, einen Ort auch als Schutzraum begreifen zu können, also in einer Stadt zu wissen, wo sie was findet und eine Wohnung zu haben, die ihr emotionale Sicherheit biete. Es koste einfach weniger Kraft als eine ständige Unsicherheit.

Die Galeristin Barbara Gross sorgt sich, dass viele Künstlerinnen und Künstler aus München weg gehen, weil die Stadt so teuer ist. Dadurch habe die Stadt kaum namhafte Künstlerinnen zu bieten. Gleichzeitig sei Münchens Außenbild hervorragend durch die vielen Museen und immer wieder Neueröffnungen wie als letztes das Museum Brandhorst. Und eigentlich biete München für Künstlerinnen auch den Vorteil, dass nicht ganz so viele Kunstschaffende um wenige, recht gut gefüllte Fördertöpfe kämpfen. In München passiere auf vielen Ebenen viel: von der individuellen Initiative bis zu den großen Häusern. Sie vermisse aber, dass Künstlerinnen wieder etwas gemeinsam anpacken, dass sie sich zusammenschließen und etwas auf die Beine stellen.

Die Galeristin Esther Donatz hat die Erfahrung gemacht, dass sich weniger Künstlerinnen als Künstler bei ihr bewerben, dafür Frauen aber sehr viel sorgfältigere Bewerbungen einreichen als Männer. Sie selbst habe zwar oft mehr Gefallen an den Arbeiten der Künstlerinnen, würde sich aber nie als „feministische“ Galerie darstellen, weil sie das als Abwertung der Arbeit ihrer Künstlerinnen empfinden würde. Dass sie so viele Frauen vertrete, begründe sie ausschließlich mit der Qualität derer Arbeiten; eine feministische Positionierung könne vielmehr einige Möglichkeiten verbauen.

Ulrike Budde erzählt vom Kollektiv „Weibsbilder“ und ihrem momentanen Eindruck, Frauen zeigten wieder weniger Gesicht und wollten sich nicht politisch positionieren. Im Literaturbetrieb habe es bereits breite und laute Kritik z.B. am Literaturfest München gegeben, das fast ohne Frauen im Programm stattgefunden hatte. Sie fragt: Warum machen Frauen sich selbst mundtot? Wann mache ich den Mund auf und wann nicht? Barbara Gross teilt den Eindruck, dass junge Künstlerinnen sehr vorsichtig sind. Sie selbst habe früher immer Position bezogen und sei vermutlich deswegen sogar schon verschrieen gewesen. Künstlerinnen machten sich oft auch die Lage gar nicht klar. So habe z.B. die Tate Gallery in London ihre eher kleine Sammlung weiblicher Künstlerinnen gezeigt und sie mit „Die Frauenausstellung“ betitelt, als seien die gezeigten Werke alles, was Frauen so künstlerisch geleistet hätten.

Diana Ebster von der Landhauptstadt München sagt, abstruse Geschichten gäbe es überall und sie freue sich, dass die Frauenfrage überhaupt im Kulturbereich ins öffentliche Bewusstsein gerückt sei, z.B. wenn über die paritätische Besetzung von Jurys nachgedacht werde. Sie selbst würde allerdings auch immer über die Qualität der Arbeiten argumentieren und nicht feministisch, um weder Künstlerinnen, noch Aktionen in eine Ecke zu stellen. Sie habe sehr gute Erfahrungen mit der Gruppenausstellung Idora, in der auch Migrantinnen ihre Arbeit zeigten, ohne dass dieser Aspekt besonders betont wurde. Jürgen Enninger von der Landeshauptstadt München sagt, interessanterweise sei der städtische Kulturbetrieb eigentlich sehr weiblich geprägt. Wenn es an seiner Bürotür klopfe, sei es sehr wahrscheinlich, dass eine Frau über 40 vorbeischaue. In Gesprächen allerdings falle ihm auf, dass Frauen viel mehr über Defizite sprächen als über das, was sie können. Auch wenn er Podien besetze, mache er immer wieder die Erfahrung, dass Frauen ihm absagten, weil sie sich das Gesprächsthema nicht zutrauten.

Die Künstlerin Isi Kunath sagt, junge Künstlerinnen wollten nicht explizit als Frau wahrgenommen werden und seien gegen eine Quote – „Nieder mit dem Frauenmuseum!“ zitiert sie als Schlachtruf. Die Künstlerinnen wollten keinen Schutzraum, keine „Frauengruppe“. Sie persönlich würde ich nicht in eine “Altweibergruppe” gehen wollen, die es sonst nicht geschafft haben. Eine Galerie sei so nicht zu bekommen. Junge Frauen könnten sich mit Stipendien über Wasser halten, das höre irgendwann aber auf. Dann schlössen sie sich allerdings lieber mit Männern zusammen und vermeiden „die Frauenschiene“ tunlichst.

Esther Donatz sagt, das sei kein kunstspezifisches Problem, sondern im Moment überall so. Wenn, dann gäbe es mal revolutionäre Einzelpersonen. Viele Entscheidungen von Frauen, von Künstlerinnen hätten aber vielmehr mit Werten zu tun: Wie wichtig ist Karriere? Wie wichtig wirtschaftlicher Erfolg? Will ich das überhaupt? Diana Ebster ergänzt, es habe vor allem wieder mit der Qualität der Arbeiten zu tun: Gäbe es eine spannende Gruppe, auch Ü50, die neue, andere Ansätze hat als Künstlerinnen vor 30 Jahren, dann wäre diese sicher auch erfolgreich. Ulrike Budde sagt, man dürfe einfach nicht nachlassen, andere Bilder zu schaffen, die Deutungshoheit zu behalten oder zurückzugewinnen. So hätten sich die Künstlerinnen um 1900 gegen Spott wehren müssen und die allgemeine Stimmung war gegen Bildung für Frauen. Sich dagegen zu behaupten, das müsse man in sich selber finden und sich selbst auch erlauben.

Antonia Voit, Kuratorin der Ausstellung, ergänzt, um 1900 seien die Künstlerinnen durchaus vor allem wegen der Kunstakademie nach München gekommen. Daniela Stöppel weist darauf hin, dass sich weibliche Positionen auch veränderten; so wurden Frauen um 1900 in Russland viel mehr geschätzt, eine Phase, die in den 1920ern schon wieder endete, weil dann die Kultur wieder männlicher wurde.

Liz Johnson-Artur sprach einen anderen Aspekt an, nämlich das bayrische Wesen: Sie habe unbedingt weggewollt aus München, weil es ihr zu „bodenständig“ sei. Bestimmte Spiele müsse man mitspielen, wolle man erfolgreich sein; es gebe kaum eine Grauzone für Arbeiten, die nicht bestimmten Konventionen entsprechen. „Ich bin Patchwork“, sagt sie. Sie schätze die Münchner Museen, aber sie fühle sich nicht gesehen. Vielmehr sei es eine sehr starke Erfahrung für sie gewesen, in München als „Ausländerin“ aufzuwachsen – erst im Ausland sei sie dann zur „Deutschen“ geworden.

Barbara Gross findet, das gelte auch für Geschlechternormen. Diese seien männergemacht und die männliche Kultur zwinge Frauen, sich anzupassen. Dagegen helfe nur: selber machen, sich nach vorne stellen, ins Licht, reden, und zwar so wie man selber sprechen möchte und über das, was einem wichtig ist. Man müsse das Anderssein als eigene Qualität begreifen. Brigitta Angermaier findet die Aussage eines Werkes am wichtigsten und sie selbst sei viel öfter von Männern inspiriert worden. Frauen seien jedoch Multiplikatorinnen und Vorbilder, weil sie so viele soziale Kontakte haben, als Mütter etc.

Diana Ebster kommt noch einmal auf die Internationalität der Kunstakademie zurück, die nicht zu unterschätzen sei. Dies sei ein starker Anziehungspunkt, auch heute. Sie interessiere allerdings vor allem auch der soziale Hintergrund der Studierenden. Diese Frage bleibt erst einmal unbeantwortet, Kunstvermittlerin Corina Toledo betont noch einmal die Rolle von Frauen für Frauen. Ihre Arbeit sei nur durch die Förderung anderer Frauen möglich, deswegen sei es ihr selbst auch wichtig, das Frausein herauszustellen und dafür die Stimme zu erheben. Sie fragt: „Wer bestimmt denn, was Qualität ist?“

Daniela Stöppel geht noch mal auf Liz Johnson-Arturs Aussagen zum geistigen Klima Münchens ein: Die Stadt sei eher konservativ, so auch ein Großteil der Kultur. München habe andere Themen als Berlin oder Hamburg und das präge natürlich auch ein geistiges Klima. Und doch sagt sie: „Stellung halten!“

 

Bilder vom Fachtag:

 

(Ortswechsel in die Artothek)

 

Lena Budde stellt die Ausstellung Ver.orten in der Artothek vor. Hier zeigen sie, Liz Johnson-Artur und Eva Weinmayr einige ihrer Arbeiten, vor allem solche, die sich mit dem Thema Fremdsein beschäftigen. Die Idee dahinter: “Das Fremdsein erzeugt einen Freiraum, der Künstler bewegt sich in einer Ausweitung der Schaffenszone. Der Verlust der Heimat öffnet den Blick, das Leben in einer anderen Kultur findet innerhalb einer Metamorphose statt, dem Annehmen der Identität des Fremden, die Künstlerin als Reisende zwischen den Orten.”
So stellt Lena Budde einen Loop aus ihrem Film “Mirror Man” aus, in dem ein Mann mit einem Spiegel dem urbanen Mythos nachgeht, in London könne man vom Tower of Canary Wharf aus das Meer vor der britischen Küste sehen. Lena Budde lebte 20 Jahre lang in London, es ist ihre Heimat, auch wenn sie seit vier Jahren in München lebt und arbeitet.

Stephanie Lyakine-Schönweitz stellt die Artothek kurz vor und erläutert, wie ein Kunstwerk in die Sammlung und in die Ausstellung kommt. Beides hänge nicht zwangsläufig miteinander zusammen. Über Ankäufe entscheidet eine Jury, die auch darauf achtet, dass sowohl Künstler als auch Künstlerinnen vertreten sind. Das Ausstellungsteam der Artothek wiederum kann der Jury einzelne Künstlerinnen oder Künstler zum Ankauf vorschlagen. Sie selber hätte mal den Wunsch nach einer rein weiblichen Sammlungs-Ausstellung, aber das sei leider fast nicht möglich, weil es weit weniger Künstlerinnen in der Sammlung gebe als männliche Kollegen. Sie bittet Künstlerinnen, einfach vorbeizukommen und sich vorzustellen.

Für Künstlerinnen in München bietet die Landeshauptstadt verschiedene Kunsträume:
das Areal der Lothringer 13
das Florida in der Lothringer 13
die Kunstarkaden
die Rathausgalerie
und das Maximiliansforum

Jürgen Ellinger betont, dass München ein starker Standort sei und in der Top10 der europäischen Kreativwirtschaft. Hier seien Verlage, Film etc. Allerdings sei auf der anderen Seite die Situation der Künstlerinnen und Künstler schlecht, wie der Teilbericht des Kulturreferats zeigte, weil München zu teuer sei. Im Stadtrat gebe es nun ein Kompetenzteam, das sich fünf Hauptziele gesetzt habe:
– schnell ansprechbar sein
– Vernetzung untereinander und mit Auftraggebern fördern
– die Raumproblematik lösen
– Sichtbarkeit für Kulturschaffende herstellen
– Wertschätzung erreichen
In Sachen Patchwork-Erwerbsbiografien sei es sein besonderes Ziel, die Künstlerinnen und Künstler so beraten zu können, dass Kunst und Erwerbsarbeit möglichst nah beieinander liegen können.

Isi Kunath kritisiert, dass München keine Kunstmesse habe. Es sei nicht das vorranginge Problem, seine Kunst zeigen zu können, sondern jemand müsse sie auch kaufen, damit man von dieser Kunst leben kann. Die Stadt München müsse mehr Geld in die Hand nehmen, um Münchner Kunst auch international zu zeigen. Daniela Stöppel sagt, München sei eher stark von wirtschaftlichen Aspekten geprägt, was auch das geistige Klima beeinflusse. „Kreativwirtschaft“ bedeute für sie eher, dass der Kunst die Spitzen genommen werden und Subversivität wegfalle. Ulrike Budde verteidigt die Idee der Kreativwirtschaft und skizziert die Etablierung des Begriffs erst in NRW, dann in den meisten deutschen Großstädten. In der Kreativwirtschaft stecke mehr Geld als in der Pharmaindustrie. Die Münchner Kunstszene sei alles: mutig, vielfältig, langweilig, überraschend.

Esther Donatz sagt, alles was schwer einzuordnen ist, habe es schwer. Die Künstlerinnen und Künstler suchten dann eher ihre Nische in Berlin. Die Galerie sei vor allem dann voll, wenn sie Münchner Künstler zeige; Andersartigkeit werde eher woanders als in München gesucht. Silvia Bauer sagt, Interkulturelles habe in München nicht den Status wie z.B. in Stuttgart. Internationale Künstler, die hier noch kein Netzwerk haben, hätten es eher schwer. Stattdessen gebe es viele kleine Initiativen, die sich nicht selten gegenseitig im Weg stünden. Ähnliche Erfahrungen hat Christina Eder von der Landeshauptstadt München gemacht: Vernetzungsversuche scheiterten oft, weil jede und jeder sein eigenes Süppchen kochen wolle. Vielmehr müssten sich Akteure fragen: Auf welcher Ebene will ich spielen? Nicht jeder müsse für sich allein kämpfen. So könnten z.B. Frauen und Männer gemeinsam zum Thema Gender arbeiten, ohne „Feminismus“ drüber schreiben zu müssen.

Stephanie Lyakine-Schönweitz fragt, wie ausländische Künstlerinnen in München  aufgenommen werden und wie man, sie dazu bringen könnte hier zu bleiben. Diana Ebster sagt, die wichtigste Frage sei wohl, wie man Anschluss an andere bekommt. Und sie fragt erneut nach der sozialen Situation z.B. von Studierenden der Akademie. Sie glaube, Künstlerinnen aus Asien oder Afrika könnten sich das Studium in München kaum leisten. Internationalität halte sie für selbstverständlich und begrüßt es eigentlich, dass sie kein extra Aushängeschild Münchens ist. Allerdings seien die Widerstände im Alltag ausländischer Studierender natürlich höher. Isi Kunath betont noch einmal, wie wichtig Sprache sein kann. Denn nur, wenn ich die Sprache vor Ort spreche, könne ich mir mein Studium oder mein Leben als Künstlerin auch mit einem Job finanzieren.

Hier herrschte in der Runde großer Redebedarf, leider war die Zeit zu Ende. Deswegen laden wir alle Anwesenden, aber auch Interessierte ein, die Diskussion hier weiterzuführen. Auch Tipps und weiterführende Links können Sie hier gern posten.