Leseclub: „Die Wand“ von Marlen Haushofer

„Die Wand“ von Marlen Haushofer, erschienen 1968, erzählt die Geschichte einer Frau, die eines Morgens aufwacht und durch eine unsichtbare Wand von der Außenwelt abgeschnitten ist. Woher die Wand kommt, und warum jenseits der Wand kein Leben mehr existiert, diese Fragen bleiben ebenso ungeklärt wie die Frage nach der Zukunft der Frau. Es gibt kein Happy End in diesem Roman, die Geschichte hört einfach irgendwann auf.

„Ich nahm an, sie wäre eine neue Waffe, die geheimzuhalten einer der Großmächte gelungen war; eine ideale Waffe, sie hinterließ die Erde unversehrt und tötete nur Menschen und Tiere.“ 

Nicht die Wand ist tödlich, sondern das, was jenseits der Wand ist: Vielleicht ein bösartiges Gift, das Menschen und Tiere dort drüben eingeatmet haben. Tot liegen sie da, die Erzählerin kann sie aus der Ferne sehen: Sie gleichen den Märchenfiguren in „Dornröschen“, die wegen eines fiesen Zaubers in einen ewigen Schlaf fallen mussten. Die Wand ist somit die Grenze zwischen den Toten und den wenigen Lebenden: die Erzählerin, ein Hund, eine Katze und eine Kuh und die wilden Tiere im Bergwald und auf der darüber liegenden Almwiese. Sie können die gewaltige, unsichtbare Sperre nicht überwinden. Tote Vögel liegen vor der Wand, sie haben sich die Köpfe blutig geflogen und zerschmettert bei dem Versuch, hindurch zu fliegen. Die Erzählerin kommt mit ihrem Eingesperrtsein erstaunlich gut zurecht – wächst über sich hinaus, ohne dabei ‚larger than life’ sein zu wollen. Hier und da findet sie die Wand sogar gut:

„Die Wand hat unter anderem auch die Langeweile getötet. Die Wiesen, Bäume und Flüsse jenseits der Wand können sich nicht langweilen. Mit einem Ruck stand die rasende Trommel still. Dort drüben kann man nur noch den Regen, den Wind und das Knistern der leeren Häuser hören; die verhasste brüllende Stimme ist verstummt. Aber es gibt keinen mehr, der sich an der großen Stille erfreuen kann.“

Nicht von ungefähr kommt die Wertschätzung von Marlen Haushofers Werk aus der feministischen Literaturwissenschaft. Es geht in ihren Geschichten um Machtkämpfe, um das Gegeneinander der Geschlechter, bei dem die Männer zwar schlecht abschneiden, die Frauen aber zumeist auf der Strecke bleiben. Nicht so in „Die Wand“ – „the last man standing“ ist hier eine Frau.

Der Abend wird von Barbara Streidl moderiert.

Anmeldung:

Eine Voranmeldung ist erforderlich, per Mail an info@frauenstudien-muenchen.de.
Bitte beachten Sie, dass sich die Veranstaltung nur an Frauen richtet. Der Eintritt ist frei, die Teilnehmerinnenzahl allerdings begrenzt.
Sie erhalten von uns etwa 5 Tage vor Veranstaltung eine Bestätigung Ihrer Teilnahme. Wir bitten Sie, diese verbindlich bis zum 20.11.2017 rückzubestätigen, ansonsten wird der Platz über die Warteliste weitervergeben.
Vielen Dank für Ihr Verständnis!

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